Anleitung zum Brüten

Das Sammeln und die Lagerung der Bruteier
Aus den sauberen und gut mit Heuhäcksel oder Stroh gepolsterten Legenestern werden täglich mehrmals die frisch gelegten Eier entnommen. Vorsicht im Winter bei Minustemperaturen: die Eier können erfrieren! Auf den Eiern wird mit einem Bleistift (kein Filzstift!) vorsichtig das Legedatum vermerkt. Wenn das saubere und auch innerlich (schieren) intakte Ei das ideale Gewicht hat, wird es an einem kühlen und dunklen Ort - immer auf der Spitze - in sauberen Eierwaben gelagert. Das optimale Lagerklima liegt bei etwa 10 - 15 Grad Celsius und bei etwa 65 - 75% relativer Luftfeuchtigkeit. Die Eier  vor direkter Sonnenbestrahlung, Frost und Kälte schützen. Kühle Keller bieten sich für die Lagerung an. Vorsicht: Nicht im Kühlschrank lagern ... dort ist es zu kalt. 


Um das Festwachsen der inneren Eihaut (Membrane) zu verhindern, wird die Lage der Eier zwei bis drei mal täglich verändert: Ich unterlege die Eierwabe seitlich mit einem Buch, damit das Ganze in Schräglage kommt. Nun kann - jeweils morgens, mittags und abends - die ganze Eierwabe um eine Vierteldrehung verlagert werden. Einfach das Buch auf der gegenüberliegenden Seite unterlegen. Damit ein optimales Schlupfergebnis erreicht wird, sollten die Eier nicht älter als 14 Tage sein. Für den Postversand sollten die Eier sehr frisch sein. Die Luftblase ist noch sehr klein und kann auf dem Transport nicht so leicht beschädigt werden.Durch den Transport werden die Eier durchgeschüttelt. Darum die Bruteier vor der Einlage in den Brüter mindestens 24 Stunden ruhen lassen.

Friesenhuhn
Eine unserer jungen Friesenhennen aus den Niederlanden

Natur- oder Kunstbrut?
Bruteier können in Natur- oder in Kunstbrut bebrütet werden. In der kommerziellen Geflügelhaltung wird nur noch in Kunstbrut gebrütet. Brütende Hennen die keine Eier legen sind unrentabel, deshalb wurde den Hühnern der Bruttrieb weg gezüchtet. Auch in der Rassengeflügelzucht hat die Naturbrut immer mehr an Bedeutung verloren, da sie nicht so berechenbar ist wie die Kunstbrut, und auch nicht so viele Eier gleichzeitig bebrütet werden können. Generell ist der Naturbrut dort den Vorzug zu geben, wo Rassen gehalten werden, bei denen der Bruttrieb noch nicht weg gezüchtet wurde. Gibt es eine Henne im Stall, die brutwillig ist, und ausreichend Platz, um Küken aufzuziehen, ist eine Naturbrut sehr naheliegend und ein spannendes Abenteuer. Bitte beachten: Die Glucke führt ihre Küken über mehrere Wochen ... die Jungtiere können erst dann verkauft werden.

Eine Glucke mit ihren wieselflinken Wollbällchen ist ein herzerwärmender Anblick. Es ist immer wieder ein Wunder, wie eine Henne während 21 Tagen Eier ausbrütet und dann die geschlüpften Küken wärmt, führt und aufzieht. Die Glucke lehrt die Jungen auf natürliche Art und Weise, was sie für ihr Leben brauchen und prägt ihr Verhalten. Ein Erlebnis, das besonders für Kinder sehr wertvoll ist. Sie haben so die Möglichkeit, die elementaren Abläufe hautnah mitzuerleben und das Verhalten der Tiere zu beobachten. Wer in der Jugend die artgerechte Hühnerhaltung erleben durfte wird auch als Erwachsener verantwortungsvoll mit den Tieren umgehen. 

Die Kunstbrut hat auch ihre Vorteile. Es können viel mehr Eier ausgebrütet werden. Die Kunstbrut bringt aber auch Risiken mit sich. Wir  sind stromabhängig und ein längerer Stromausfall kann fatale Folgen haben. Der Erfolg hängt auch sehr stark mit dem verwendeten Brüter ab.  In den letzten Jahren ist aber auch die Gefahr der Krankheitsübertragungen stark angestiegen. Bitte beachten: Den Brüter nach jeder Eieinlage gründlich reinigen und bei Sonnenlicht mehrere Tage trocknen lassen.

Kunstbrut

Die meisten Bruteier werden heute in Kunstbrut erbrütet … auch bei den privaten Hühnerhaltern. Sofern Bruteier verfügbar sind kann der Züchter bestimmen wann er mit Brüten beginnen möchte. Ganz außer Acht sollte man die Natur nicht lassen. Die Küken entwickeln sich besser wenn die Tage länger werden. Wenn man Eier nach dem längsten Tag in den Brüter einlegt kommen die Junghennen spät in die Legereife und beginnen wegen der Kälte im Winter oft erst im nächsten Frühjahr mit dem Legen. Da z.B. unsere Friesenhühner auch noch mit fünf Jahren Eier legen spielt uns das keine so große Rolle. Wir möchten jedoch auch im Winter Eier zum Verzehr erhalten und so brüten wir meistens bereits im März oder April.

 

Steht der Termin muss überlegt werden wie viele Eier ausgebrütet werden sollen. Es kommt dabei auf die Grösse des Brüters an und wie viel Platz für die Aufzucht zur Verfügung steht. In der Anleitung zum Brutapparat ist genau angegeben wie viele Bruteier maximal eingelegt werden können.

 

 

Bruteier Brüter
Die Bruteier im Brüter

Im Brutraum sollte es keine allzu grossen Temperaturschwankungen geben. Ideal sind eine Raumtemperatur von ca. 20 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von ca. 50 %. Der Raum sollte regelmässig mit Frischluft versorgt werden. Das Brutgerät sollte auf eine waagrechte und rutschfeste Unterlage gestellt werden und vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.

 

Für welches Brutgerät soll man sich entscheiden?
Eine schwierige Frage. Bei den Brutapparaten werden zwei Typen angeboten: Flächen- und Motorbrüter. Der Motorbrüter arbeitet mit einer Strahlungsheizung. Der Motorbrüter hat zusätzlich noch einen Ventilator, der die Wärme im Brutapparat gleichmässig verteilt.

 

Brutapparate werden in vielen verschiedenen Modellen und Preisklassen angeboten. Es gibt Modelle bei denen alles manuell bedient werden muss bis zu den digitalen Vollautomaten. Wir benützen einen digitalen Rcom MAX20 und sind sehr zufrieden damit. 

 

 

Bei der Kunstbrut ahmen wir die Natur nach und versuchen den Bruteiern das nötige Brutklima zu verschaffen. Unseren Rcom MAX20 können wir einschalten und nach Erreichen der benötigten Bruttemperatur und der entsprechenden Luftfeuchtigkeit die Bruteier einlegen. Manche manuellen Brutapparate werden sicherheitshalber bereits zwei Tage im Voraus eingeschaltet um die Temperatur richtig zu regulieren. Oft empfiehlt es sich ein Thermometer und einen Hygrometer in den Brüter zu legen. Die benötigte Luftfeuchtigkeit wird mit einer Wasserschale und ev. zusätzlichen feuchten Schwämmen erreicht. Damit ist es aber oft unmöglich eine Luftfeuchtigkeit von 70 – 90 % zu erreichen. Es ist deshalb empfehlenswert die Eier täglich mit frischem, kaltem Leitungswasser zu besprühen (Wäschesprayer). Dies ist ganz besonders bei der Gänsebrut eminent wichtig!

 

Damit die Membranen nicht an den Eiern festwachsen werden die Eier mehrmals täglich gewendet. Bei manchen Brutapparaten geschieht dies automatisch, halbautomatisch oder die Eier müssen von Hand um die Längsachse gedreht werden. Bitte die entsprechende Gebrauchsanweisung beachten!

Brutei Bruteier Schlupf schlüpfen
Sobald nach 20 - 21 Bruttagen die Eier angepickt sind wird es spannend!

Schieren
Am 6. Tag ist es möglich die Eier zu schieren und unbefruchtete Eier zu entfernen. Am 17. Tag kann erneut geschiert werden um die abgestorbenen Eier zu entfernen. Vom 18. Tag an sollten die Hühnereier nicht mehr gewendet werden. Nun sind die Küken mit dem Schlüpfen beschäftigt. Das Küken pickt die Eischale an und sprengt sie mit seiner Körperkraft auf. In dieser Phase ist die Luftfeuchtigkeit auf mind. 70 % zu erhöhen.

 

Während des Schlupfvorganges sollte das Brutgerät nicht geöffnet werden! Der Schlupfprozess kann bis zu 24 Std. dauern. Bei uns schlüpfen die Zwerghühnchen meist bereits am 20. Bruttag. Auch der Schlupfprozess dauert etwas weniger lang als bei den Gross-Rassen.

 

Die frisch geschlüpften Küken bleiben im Brutgerät bis sie trocken sind, danach können sie in das vorbereitete Kükenheim gesetzt werden. Das Brutgerät ist nach jedem Gebrauch gründlich zu reinigen und anschließend zu desinfizieren oder einige Tage von der Sonne bescheinen zu lassen.

 

 

Brutbedingungen

 

Brutdauer:

 

 

20 - 21 Tage

 

 

 

 

Temperatur

1. - 17. Tag

37.7 C

 

18. - 21. Tag

37.5 C

Feuchtigkeit

1. - 18. Tag

50 % Luftfeuchtigkeit

 

19. - 21. Tag

70 %  Luftfeuchtigkeit

Wenden

1. - 17. Tag

18. Tag

2-5 mal täglich oder automatisch

Wendung ausschalten

Schieren

6. + 17. Tag

Ev. unbefruchtete und abgestorbene Eier entfernen

Hier noch ein Link auf YouTube mit einer Anleitung (Video) zum Eier brüten.